Die Diagnoseregel für akute Gicht dient der klinischen Risikostratifizierung bei Patienten mit Monoarthritis.
Sie hilft dabei, die Wahrscheinlichkeit einer Gicht gegenüber anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen
abzuwägen und identifiziert Patienten, bei denen eine Gelenkaspiration zur Kristalldiagnostik
besonders indiziert ist.
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Punkte (Gicht-Wahrscheinlichkeit)
Interpretation
Management auf Basis des Scores
≤ 4 Punkte (Niedrig): Gicht ist unwahrscheinlich (Prävalenz ca. 2,2%). Andere Ursachen wie Pseudogicht, septische, reaktive oder rheumatoide Arthritis sollten in Betracht gezogen werden.
> 4 bis 7 Punkte (Intermediär): Diese Patienten profitieren am meisten von einer Gelenkaspiration und einer Flüssigkeitsanalyse auf Uratkristalle.
≥ 8 Punkte (Hoch): Eine Gichtarthritis ist sehr wahrscheinlich. Eine empirische Therapie mit Gichtmedikamenten kann eingeleitet werden.
Hinweis: Akute Gichtanfälle werden in der Regel mit einer Kombination aus Steroiden, NSAR (z. B. Indometacin) oder Colchicin behandelt [3].
Der ASCVD-Risikorechner (Atherosclerotic Cardiovascular Disease) prognostiziert das 10-Jahres-Risiko für schwerwiegende
kardiovaskuläre Ereignisse wie Myokardinfarkt, Schlaganfall oder den kardiovaskulär bedingten Tod. Er ist primär für
Patienten im Alter von 40 bis 75 Jahren ohne bekannte atherosklerotische Vorerkrankungen konzipiert.
Der Body Mass Index (BMI) ist ein weltweit etablierter Standard zur Beurteilung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergrösse.
Er dient als primäres Screening-Instrument zur Identifizierung von Untergewicht, Übergewicht und Adipositas.
Für eine umfassende klinische Beurteilung sollte der BMI stets in Kombination mit weiteren Parametern wie dem Taillenumfang
oder dem viszeralen Fettanteil betrachtet werden.
Der CHA₂DS₂-VASc Score ist das klinische Standardinstrument zur Abschätzung des Schlaganfallrisikos bei Patienten mit
nicht-valvulärem Vorhofflimmern. Er unterstützt die Entscheidung darüber, ob eine medikamentöse Antikoagulation
eingeleitet werden sollte, um thromboembolische Ereignisse zu verhindern.
Das Edmonton Obesity Staging System (EOSS) ist ein klinisches Klassifizierungssystem, das Patienten mit Adipositas
basierend auf der Schwere ihrer Begleiterkrankungen und funktionellen Einschränkungen in fünf Stadien (0–4) einteilt.
Im Gegensatz zum BMI erlaubt das EOSS eine präzisere Vorhersage der Mortalität und unterstützt die klinische
Entscheidungsfindung für medikamentöse oder chirurgische Therapien.
Einleitung von Adipositas-Therapien (verhaltensorientiert, pharmakologisch, chirurgisch); engmaschiges Management der Komorbiditäten.
Stadium 3
Intensive Adipositas-Therapie; aggressives Management der Organschäden und Begleiterkrankungen.
Stadium 4
Aggressives Management (wo machbar); zusätzliche Unterstützung durch Schmerztherapie, Ergotherapie und psychosoziale Hilfe.
Hinweis für bariatrische Chirurgie: Die Stadien 3 und 4 sind mit einem erhöhten Risiko für postoperative Komplikationen
verbunden. Patienten sollten entsprechend beraten werden, wobei der Nutzen der Operation oft das Risiko überwiegt.
Die Glasgow Coma Scale ist das weltweit etablierte Standardinstrument zur Quantifizierung von Bewusstseinsstörungen bei Patienten mit akuten Hirnschädigungen.
Sie bewertet die Tiefe und Dauer einer Bewusstlosigkeit anhand der drei Kategorien: Augenöffnung, verbale Reaktion und motorische Reaktion.
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GCS-Score (E4 V5 M6)
Interpretation
Normalbefund. Der Patient ist wach und orientiert.
Management & Interpretation
Schweregrad: Ein GCS-Score von 13-15 deutet auf eine leichte, 9-12 auf eine mittelschwere und ≤ 8 auf eine schwere Hirnschädigung hin.
Atemwegssicherung: Bei Traumapatienten mit einem GCS ≤ 8 sollte die Indikation zur Intubation und definitiven Atemwegssicherung dringend geprüft werden.
Verlaufskontrolle: Ein abfallender GCS-Wert (auch bei initial hohem Wert) ist ein kritisches Warnsignal und erfordert eine sofortige Re-Evaluation und ggf. Bildgebung.
Einschränkung: Der Score sollte nie isoliert, sondern immer im klinischen Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
Hinweis: Bei Kindern ≤ 2 Jahren sollte stattdessen die Pediatric Glasgow Coma Scale (pGCS) angewendet werden.
Die Bestimmung der eGFR ist der entscheidende Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion.
Gemäß den aktuellen Standards der Fachgesellschaften und internationalen Leitlinien
sollten Schätzformeln zur Klassifizierung und zum Management chronischer Nierenerkrankungen herangezogen werden.
Der HAS-BLED Score dient der Quantifizierung des Risikos für schwerwiegende Blutungen bei Patienten mit Vorhofflimmern,
die eine orale Antikoagulation erhalten. Er ist ein unverzichtbares Werkzeug zur Nutzen-Risiko-Abwägung
vor Beginn einer Therapie.
Der HEART Score wurde entwickelt, um das 6-Wochen-Risiko für schwerwiegende unerwünschte kardiale Ereignisse (MAjor Cardiac Event - MACE) bei Patienten
mit Thoraxschmerz in der Notaufnahme vorherzusagen. Ein MACE wird dabei als Gesamtmortalität, Myokardinfarkt oder
koronare Revaskularisation definiert.
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Punkte (HEART Score)
Risiko & Management
Management & Empfehlungen
Die Einordnung basiert auf prospektiven und retrospektiven Validierungsstudien zur Patientensicherheit:
Score 0-3 (Niedrig): Risiko für MACE liegt bei ca. 0,9–1,7%. In den Studien wurden diese Patienten in der Regel direkt aus der Notaufnahme entlassen.
Score 4-6 (Intermediär): Risiko für MACE liegt bei ca. 12–16,6%. Eine stationäre Aufnahme zur weiteren Beobachtung und Diagnostik wird empfohlen.
Score 7-10 (Hoch): Risiko für MACE liegt bei ca. 50–65%. Diese Patienten sind Kandidaten für frühzeitige invasive Massnahmen.
Wichtig: Der Score darf nicht bei klinisch instabilen Patienten oder bei neuen ST-Strecken-Hebungen (≥1 mm) angewendet werden, die eine sofortige Intervention erfordern.
Die Bestimmung des Idealgewichts und des adjustierten Körpergewichts sind in der klinischen Praxis
entscheidend für eine sichere Pharmakotherapie und Beatmungsstrategie. Während das tatsächliche Gewicht bei
adipösen Patienten oft zu Überdosierungen führt, bietet das errechnete ideale Körpergewicht die physiologische Basis für lungenprotektive
Beatmung und gewichtsadaptierte Dosierungen.
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kg (Idealgewicht)
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kg (Adjustiertes Gewicht)
Klinische Anwendung
Idealgewicht: Wird primär zur Berechnung des **Tidalvolumens** bei der mechanischen Beatmung verwendet, um Barotraumen zu vermeiden.
Adjustiertes Gewicht: Findet Anwendung bei der Dosierung bestimmter Medikamente (z. B. Aminoglykoside, Heparin oder Chemotherapeutika) bei Patienten, deren tatsächliches Gewicht das Ideale Körpergewicht um mehr als 30% übersteigt.
Dosierungshinweis: Klären Sie immer mit der Apotheke ab, welches Gewicht für das jeweilige Medikament empfohlen wird (Ideales Körpergewicht vs. tatsächliches Gewicht).
Verwandte Tools
BMI & BSA: Berechnung des Body Mass Index und der Körperoberfläche.
EOSS: Klassifizierung der Adipositas-bedingten Beeinträchtigungen.
Quellen & Referenzen
Devine BJ. "Gentamicin therapy". Drug Intell Clin Pharm. 1974.
Die Interpretation des Serum-Kalziums erfordert die Berücksichtigung der Albumin-Konzentration, da etwa 40-45% des Kalziums
an Proteine gebunden sind. Bei einer Hypoalbuminämie (z. B. bei Leber- oder Nierenerkrankungen) fällt das gemessene Gesamtkalzium ab,
während das physiologisch aktive, ionisierte Kalzium normal bleiben kann. Dieser Rechner korrigiert den Kalziumwert
basierend auf der Abweichung vom Normal-Albumin (4 g/dL).
Der mittlere arterielle Druck (MAP) stellt den durchschnittlichen Blutdruck in den Arterien während eines
Herzzyklus dar. Er ist ein entscheidender Parameter zur Beurteilung der Gewebesperfusion, da er den
konstanten Druck widerspiegelt, mit dem die Vitalorgane versorgt werden.
Der mSOFA-Score wurde entwickelt, um die Mortalität auf der Intensivstation vorherzusagen, wobei er im Vergleich zum
originalen SOFA-Score verstärkt auf klinische Variablen setzt. Er ist besonders in Krisensituationen (wie während der COVID-19-Pandemie)
relevant, wenn Laborressourcen geschont werden müssen.
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GESAMT-SCORE (mSOFA)
30-Tage Mortalität: ca. 4%
Klinische Anwendung & Behandlungsziele
Die Bestimmung des mSOFA-Scores dient der Identifizierung von Patienten mit einem hohen Mortalitätsrisiko.
Dies ist für das medizinische Team und den Patienten essenziell, um fundierte Entscheidungen über den
individuellen Behandlungsplan und die Therapieziele (Goals of Care) zu treffen.
Vorteil: Benötigt weniger invasive Labortests (keine arterielle BGA für PaO₂ nötig, Ikterus-Sichtung statt Bilirubin).
Dokumentation: Wie beim originalen SOFA wird empfohlen, den jeweils schlechtesten Wert innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums zu verwenden.
Quellen & Referenzen
Grissom CK, et al.
"Modified Sequential Organ Failure Assessment (mSOFA) Score".
[PubMed]
Die NIH Stroke Scale ist das Instrument zur objektiven Beurteilung des neurologischen Status bei Schlaganfallpatienten.
Eine korrekte Anwendung folgt strengen Testvorgaben.
WICHTIGE REGELN:
• Werten Sie genau das, was der Patient tut (Score what you see).
• Nur die erste Antwort zählt (kein Coaching, ausser bei Item 1c).
• Bei Sprachbarrieren oder Intubation die entsprechenden Sonderpunkte wählen.
1a. Bewusstseinsgrad: Bewertung der Vigilanz. Stufe 2 (Sopor) bedeutet Reaktion nur auf starke/schmerzhafte Stimulation mit gezielten Bewegungen.
1b. Fragen: Monat und Alter abfragen. Bei Dysarthrie oder Intubation wird 1 Punkt vergeben, bei Aphasie 2 Punkte.
1c. Befehle: Augen öffnen/schliessen und die nicht betroffene Hand benutzen. Pantomime ist erlaubt, falls der Patient die Sprache nicht versteht.
2. Augenbewegungen: Nur horizontale Bewegungen testen. Keine kalorischen Tests durchführen.
3. Gesichtsfeld: Alle Quadranten einzeln prüfen.
4. Fazialis: Lachen und Augen fest schliessen lassen. Bei Verständnisschwierigkeiten Symmetrie der Grimasse bei Schmerzreiz werten.
5. Motorik Arme: Arm für 10 Sekunden halten. Winkel: 90° im Sitzen, 45° im Liegen. Werten, wenn der Arm vor Ablauf der Zeit absinkt oder die Unterlage berührt. Eine Pronation und/oder Abspreizen des kleinen Fingers deuten auf eine diskrete Schwäche hin, werden aber für diesen Test nicht als Punkt gewertet.
6. Motorik Beine: Bein für 5 Sekunden in 30° Position (Liegen) halten.
7. Ataxie: Finger-Nase- und Fersen-Schienbein-Versuch mit offenen Augen. Nicht werten bei Plegie oder Verständnisproblemen.
8. Sensibilität: Verwendung eines spitzen Gegenstandes (z. B. Holzstäbchen). Bei Aphasie Reaktion auf schmerzhafte Stimuli prüfen.
9-11: Prüfung von Sprache (Bildbeschreibung), Dysarthrie (Wörter vorlesen) und Neglekt (visuelle/taktile Modalitäten).
Quellen & Referenzen
Mummenthaler, M. & Mattle, H. (2002). Neurologie (11. Aufl.). Stuttgart: Thieme.
Lyden P, et al. (1994). Improved reliability of the NIH Stroke Scale using video training. Stroke.
Die Pediatric Glasgow Coma Scale (pGCS) wird zur Beurteilung von Bewusstseinsstörungen und Koma bei Kindern im Alter von
2 Jahren und jünger eingesetzt. Für ältere Kinder sollte die Standard-GCS verwendet werden.
Sie dient der Überwachung des mentalen Status und hilft bei der Identifizierung von Patienten mit hohem Risiko für
klinisch bedeutsame traumatische Hirnverletzungen.
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pGCS-Score (E4 V5 M6)
Interpretation
Normalbefund bei Säuglingen/Kleinkindern.
Klinische Leitlinien & Maßnahmen
Atemwegsmanagement: Bei einem Score von < 8 sollte die Notwendigkeit einer Intubation oder eines definitiven Atemwegsmanagements dringend geprüft werden.
Überwachung: Alle Patienten mit einem Score von < 15 benötigen eine angemessene Überwachung und regelmäßige Re-Evaluationen des neurologischen Status.
Ganzheitlicher Ansatz: Der Score allein reicht nicht aus, um die gesamte Behandlung zu steuern; das gesamte klinische Bild muss berücksichtigt werden.
Der PREVENT-Score ist die rassenfreie Weiterentwicklung der bisherigen ASCVD-Gleichungen von 2013.
Er wurde validiert, um das 10- und 30-Jahres-Risiko für totale kardiovaskuläre Ereignisse (einschliesslich Herzinsuffizienz)
bei Patienten im Alter von 30 bis 79 Jahren präzise vorherzusagen. Durch die Einbeziehung von Parametern wie
BMI und eGFR trägt er dem kardiovaskulär-renal-metabolischen (CKM) Syndrom Rechnung.
Das QT-Intervall im EKG variiert physiologisch mit der Herzfrequenz: Bei Tachykardie verkürzt es sich, bei Bradykardie verlängert es sich.
Die QTc-Korrektur ermöglicht eine frequenzunabhängige Beurteilung der ventrikulären Repolarisation. Eine Verlängerung des QTc-Intervalls
ist mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmien (Torsade de Pointes) assoziiert.
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ms (QTc)
Klinische Interpretation
Klinische Perlen & Diagnostik
Achten Sie bei der manuellen Messung darauf, die **U-Welle** nicht fälschlicherweise in das QT-Intervall einzubeziehen.
Sollte eine Verlängerung (meist > 440 ms bei Männern, > 460 ms bei Frauen) vorliegen, prüfen Sie folgende Ursachen:
Elektrolytstörungen: Insbesondere Hypokaliämie, Hypomagnesiämie oder Hypokalzämie.
Medikamente: Zahlreiche Wirkstoffe (u. a. Antiarrhythmika, Psychopharmaka, bestimmte Antibiotika).
Kardiale Ursachen: Myokardischemie, Myokarditis oder angeborenes Long-QT-Syndrom.
Zentralnervöse Ursachen: Intrakranielle Blutungen oder Schlaganfälle.
Management: Bei Patienten mit verlängertem QTc-Intervall sollte der Einsatz QT-prolongierender Medikamente minimiert und eine
ausführliche Risiko-Nutzen-Abwägung durchgeführt werden.
Der qSOFA-Score ist ein klinisches Werkzeug zur Identifizierung von Patienten mit Infektionsverdacht ausserhalb der Intensivstation, die ein hohes Risiko für eine erhöhte Krankenhausmortalität aufweisen. Er dient als Prognoseinstrument für die Sterblichkeit, jedoch ausdrücklich nicht zur Diagnose einer Sepsis.
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Punkte (qSOFA-Score)
Risikoeinschätzung
Kein erhöhtes Risiko für Krankenhausmortalität durch Sepsis.
Management & Klinische Relevanz
Interpretation: Ein "positiver" qSOFA-Score (≥ 2) deutet auf ein hohes Risiko für einen ungünstigen Verlauf hin. Diese Patienten sollten intensiv auf Anzeichen von Organfehlfunktionen untersucht werden.
Nächste Schritte: Bei einem positiven Score wird empfohlen, den vollständigen SOFA-Score zu berechnen, um die Diagnose einer Sepsis zu bestätigen.
Einschränkung: Der qSOFA ist ein Mortalitätsprädiktor, kein Diagnosetest für Sepsis. Ein negativer Score (< 2) schliesst eine Sepsis nicht aus.
Quellen & Referenzen
Singer M, et al. "The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3)". JAMA. 2016.
Seymour CW, et al. "Assessment of Clinical Criteria for Sepsis". JAMA. 2016.
Der SOFA-2 Score ist eine weiterentwickelte Version des klassischen Sequential Organ Failure Assessment (SOFA) Scores.
Er wurde entworfen, um die Schwere von Organfehlfunktionen bei kritisch kranken Erwachsenen noch präziser zu erfassen.
Wichtig: Da dieses Modell neu ist, sollte es primär zu Forschungszwecken und ergänzend zur
klinischen Beurteilung genutzt werden.
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GESAMT-SCORE (SOFA-2)
Kritischer Hinweis zur Validierung
Der SOFA-2 Score wurde neu abgeleitet und erfordert zusätzliche externe Validierung. Er wurde bisher nicht in die
großen Leitlinien der Intensivmedizin aufgenommen und sollte etablierte Instrumente wie den originalen SOFA-Score
noch nicht ersetzen.
Interpretieren Sie die Ergebnisse immer im Kontext einer umfassenden klinischen Evaluation.
Höhere Scores spiegeln eine schwerere Organdysfunktion wieder und sind mit einem höheren Mortalitätsrisiko auf der Intensivstation assoziiert.
Quellen & Referenzen
Ranzani OT, et al.
"The Sequential Organ Failure Assessment (SOFA)-2 Score".
Der Sequential Organ Failure Assessment (SOFA) Score ist ein bewährtes Instrument zur Quantifizierung des Schweregrads
einer Organfehlfunktion bei kritisch kranken Patienten auf der Intensivstation. Er dient primär der Vorhersage der
Mortalität basierend auf klinischen Parametern und Laborergebnissen.
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Gesamt-Score (SOFA)
Klinische Anwendung & Grenzen
Zeitpunkt der Erhebung: Für eine korrekte Berechnung müssen die schlechtesten Werte der letzten 24 Stunden herangezogen werden.
Zweck: Der Score dient der Risikostratifizierung und Qualitätssicherung, jedoch nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage für die individuelle Therapie oder zur Beurteilung des Interventionserfolgs.
Prognose: Höhere Werte korrelieren mit einer höheren Mortalität. Ein Anstieg des Scores während des Aufenthalts deutet auf eine Verschlechterung der Prognose hin.
Der SCORE2-Algorithmus schätzt das 10-Jahres-Risiko für das Auftreten eines ersten tödlichen oder nicht-tödlichen
kardiovaskulären Ereignisses (Herzinfarkt, Schlaganfall). Das Tool ist validiert für europäische Patienten
zwischen 40 und 69 Jahren ohne bekannte atherosklerotische Vorerkrankungen oder Diabetes mellitus.
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% (10-Jahres CVD-Risiko)
Management-Empfehlung
Risikoklassen & Empfehlungen (ESC 2021)
Die Schwellenwerte für die Risikoklassifizierung variieren je nach Altersgruppe des Patienten:
Patienten < 50 Jahre
Niedrig bis moderat: < 2,5%
Hohes Risiko: 2,5% bis < 7,5%
Sehr hohes Risiko: ≥ 7,5%
Patienten 50–69 Jahre
Niedrig bis moderat: < 5%
Hohes Risiko: 5% bis < 10%
Sehr hohes Risiko: ≥ 10%
Therapie: Bei niedrigem/moderatem Risiko ist in der Regel keine medikamentöse Risikofaktorkontrolle empfohlen.
Bei hohem Risiko sollte sie erwogen und bei sehr hohem Risiko (Blutdruck- und LDL-C-Kontrolle) empfohlen werden.
Quellen & Referenzen
SCORE2 Working Group. "SCORE2 risk prediction algorithms: new models to estimate 10-year risk of cardiovascular disease in Europe". Eur Heart J. 2021.
ESC Guidelines. "2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice".
Die Vancouver Chest Pain Rule ist ein validiertes Entscheidungswerkzeug für die Notaufnahme. Sie identifiziert Patienten
mit einem sehr niedrigen Risiko für ein akutes Koronarsyndrom (ACS), die ohne weitere belastende Diagnostik
sicher entlassen werden können.
Schritt 1: Initial-Assessment
Schritt 2: Klinische Untersuchung
Schritt 3: Risikofaktoren
NIEDRIGRISIKO
Klassifizierung
Interpretation
Der Patient gilt als Low-Risk-Kandidat für eine frühzeitige Entlassung aus der Notaufnahme.
Management & Kritische Hinweise
Niedrigrisiko-Patienten: Diese Patienten sind Kandidaten für eine frühzeitige Entlassung ohne weitere Provokationstests (z. B. Belastungs-EKG).
Nicht-Niedrigrisiko: Patienten, die die Kriterien nicht erfüllen, sollten gemäss den Standardprotokollen für Thoraxschmerz (inkl. serieller EKGs und Biomarker) weiterbehandelt werden.
Differentialdiagnostik: Auch bei niedrigem Risiko sollten andere Ursachen wie aortale, pulmonale oder ösophageale Pathologien klinisch ausgeschlossen werden.
Wichtig: Ein abnormales EKG umfasst ST-Hebungen, ST-Senkungen (>0,5 mm), Q-Wellen, LVH, Schrittmacherrhythmen oder einen Linksschenkelblock (LSB).
Die Wells-Kriterien dienen der Objektivierung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie.
Der Score unterstützt Mediziner bei der Entscheidung, ob eine weiterführende Diagnostik mittels D-Dimer-Test
oder eine direkte Bildgebung (CT-Angio) notwendig ist.
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Punkte (Wells-Score)
Risikoeinschätzung
Management-Strategie
Basierend auf dem klinischen Standard können zwei Modelle zur Risikostratifizierung angewendet werden:
Drei-Stufen-Modell:
Niedrig (<2 Pkt.): D-Dimer-Test zum Ausschluss erwägen.
Moderat (2-6 Pkt.): Hochsensitiver D-Dimer oder direkt CT-Angio.
Hoch (>6 Pkt.): Direkt CT-Angio; D-Dimer nicht empfohlen.
Zwei-Stufen-Modell:
PE unwahrscheinlich (0-4 Pkt.): D-Dimer-Test durchführen.
PE wahrscheinlich (>4 Pkt.): CT-Angio Untersuchung einleiten.
Wichtig: Bei Patienten über 50 Jahren sollte ein altersadjustierter D-Dimer-Cutoff (Alter × 10 µg/l) angewendet werden.